|  |  |  |  | Aus der Badischen Zeitung (BZ) vom 24.04.2007 Rubrik: LEUTE IN LÖRRACH Von der BZ Mitarbeiterin Barbara Ruda Wenn der Alltag vielsprachig ist! LÖRRACH. "Haben Sie Sex in der Tasche?" heißt das Erstlingswerk von Jindra Pluhar. Die Autorin ist gebürtige Tschechin, mit einem Deutschen verheiratet und lebt in Lörrach. Was für Gedanken dieser Buchtitel auch immer beim Leser hervorrufen mag: Pikantes oder gar Anstößiges findet sich jedenfalls nicht in den Geschichten, die Jindra Reimer-Pluharova niedergeschrieben hat. Diese irre führende Frage, so klärt die Autorin auf, sei einmal bei einer Kontrolle an der rumänischen Grenze in gebrochenem Deutsch von einem Zollbeamten an ihren Ehemann gestellt worden. Eigentlich habe der Mann bloß wissen wollen, ob er Pornohefte in seiner Aktentasche habe. Zur damaligen Zeit durften die nicht in das sozialistische Land eingeführt werden. Diese kleine Begebenheit stünde beispielhaft dafür, wie schnell man mehr oder weniger spaßige Missverständnisse verursacht, wenn man sich in einer Fremdsprache nicht korrekt ausdrücken kann, meint die seit Spätsommer 1994 in Lörrach lebende gebürtige Tschechin. Sie weiß, wovon sie spricht, schließlich hat sie eine ganze Menge solcher Episoden und ungewöhnlichen Begegnungen in den Jahren vor und nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs auf ihren Geschäftsreisen quer durch Europa erlebt, als sie gemeinsam mit ihrem deutschen Mann für ein amerikanisches Großunternehmen tätig war. Zu alledem war Brüssel Wohnsitz für die Tschechin und den Deutschen, was zu einem wahren Sprachengewirr führte. "Eigentlich haben wir Deutsch miteinander gesprochen, aber die Geschäfte betreffend in Englisch und in Sachen Liebe Französisch" , blickt Jindra Pluhar zurück.
In ihrem Buch schildert sie die Geschichten auf dieselbe humorvolle und ironische Art, in der sie sie mit Ehemann Tom Bekannten und Freunden erzählte. "Eigentlich müsstet ihr ein Buch darüber schreiben" , fanden die Zuhörer. Und weil sie zudem auf beiden Seiten — im Westen wie im Osten — neugierig waren, wie so eine internationale Ehe funktioniert, machte sich Jindra Pluhar dann irgendwann wirklich an die Arbeit, nachdem sie und ihr Mann in Rente gegangen waren. Zwei Jahre habe das Konzept gebraucht, erzählt die vielseitige Frau, die auch gerne malt, kocht und Bridge spielt. Eigentlich wollte sie ja, dass Tom das Schreiben übernimmt, denn sie traute sich erst gar nicht, in Deutsch zu schreiben. Doch sie fasste sich ein Herz, wie sie es oft in ihrem ereignisreichen Leben getan hat. Ihrem Mann blieb freilich auch etwas zu tun: Er betätigte sich als erster Lektor und korrigierte die Artikel. Herausgekommen ist keine Biographie, sondern eine leichte Reiselektüre mit Geschichten, die hinter der heiteren Schreibweise durchaus auch falsche Vorstellungen über das Leben im Osten und Westen korrigieren und mehr Toleranz gegenüber anderen lehren. Zum ersten Mal kam Jindra Pluhar 1983 nach Lörrach, weil ihr Mann in Schopfheim Abitur gemacht hatte und in der Region noch Freunde hatte. Und obwohl sie hier wieder eine neue Sprache lernen musste — Alemannisch — wurde Lörrach von Anfang an als Alterswohnsitz auserkoren. "Hier ist eine wunderschöne Gegend, in der andere Leute ihren Urlaub verbringen. Und wir haben das Glück, hier zu leben" , freut sich die Autorin. Inzwischen ist sie heimisch geworden im Dreiländereck, obwohl ihr Mann immer sagte, die Alemannen bräuchten lange, um mit jemandem warm zu werden. "Das ist in Tschechien genauso" , weiß die unternehmungslustige Frau aus eigener Erfahrung. Und weil sie gut und gerne kocht, ist es durchaus vorstellbar, dass ihr nächstes Werk ein internationales Kochbuch ist. |  |
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