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Sprachprobleme! (Buchauszug)

Brüssel ist eine angenehme Stadt zum wohnen, aber ich verspürte doch manchmal das Gefühl der Verlassenheit. Ich hatte niemanden, mit dem ich mich hätte beraten können, oder einfach nur reden. Es lag in meiner Art einen gewissen Abstand zu fremden Menschen zu wahren, und mich hinter einer vorsichtigen Zurückhaltung abzuschotten. Ich konnte mich französisch unterhalten, aber noch nicht so flüssig, und hatte dabei immer noch eine riesige Angst eine Dummheit in der Unterhaltung von mir zu geben. Tom fand manchen meiner Sprachfehler wohl äußerst amüsant, aber das verunsicherte mich noch mehr. Ich hatte das Gefühl, daß sich meine Fehler auftürmten. Immer, wenn ich glaubte, ich spreche und verstehe schon bedeutend besser, machte ich dann doch wieder einen Patzer. Ich sagte zum Beispiel, ich gehe zum „Trafikant“ an der Ecke, und war der Meinung, damit angekündigt zu haben, ich gehe mal zum Zeitungskiosk. Diesen Ausdruck kannte ich aus dem österreichischen, und es hatte so einen französischen Klang. Ich ahnte nicht, daß das Wort in französisch „Drogendealer“ heißt. Der Apotheker schaute mich fragend an, wenn ich ihn, in Unkenntnis, als Magister tituliert habe, denn das ist die Anrede eines Großmeister eines kirchlichen Ritterordens. Ich ärgerte mich, warum Tom nicht schnell genug verstand, was ich suchte, wenn ich in der Aufregung deutsch sprach, und aus dem Bügeleisen einen Eisbügel machte.


Die Fremdsprache war mein größtes Handicap, weil ich gerne mit meiner Umgebung kommuniziere, und auf einmal konnte ich das nicht mehr. Wenn ein Besuch kommen sollte, überdachte ich die Themen, worüber man sprechen könnte. Ich wußte ja, daß man sich meistens erkundigte, wie es in Prag war, wie es mir in Brüssel gefällt, und die üblichen höflichen Redewendungen. Unsere Gäste entschieden sich dann zu meinem Mißfallen auch noch andere Themen zu besprechen, auf welche ich nicht vorbereitet war. Die Angst etwas Falsches zu sagen, schnürte meinen Hals zu, ich fing an zu stottern, weil ich nicht wußte, wie und was ich sagen sollte. Ich stellte bei mancher Unterhaltung fest, daß meine Gesprächspartner und ich aneinander vorbeiredeten.

Ich verstand viele Sprichwörter nicht richtig, und bis ich begriffen hatte, was sie bedeuteten, sprach man schon über etwas anderes. Manchmal fühlte ich mich ganz fehl am Platz. Tom´s Bekannte sprachen mir wohl Mut zu, aber dann machten auch sie doch manchmal große Augen, wenn ich einen falschen Ausdruck verwendete. Es weckte in mir das Gefühl, daß sie Tom irgendwie bedauerten, eine „geistig“ zurückgebliebene Frau geheiratet zu haben.

mehr davon in meinem Buch "Haben Sie Sex in der Tasche"...............
Jindras Geigen
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