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Einkaufen, aber wie? (Buchauszug)

Ich sollte einkaufen gehen, aber wie und was?!  Am liebsten kaufte ich in den Supermärkten ein und vermied die kleinen Läden. Dort fürchtete ich nämlich, mit dem Verkäufer sprechen zu müssen. So war es mir lieber als Käuferin anonym einzukaufen. Am Anfang kam ich mir zwischen den endlos langen Reihen der Regale etwas hilflos vor. Die große Auswahl war überwältigend und ich musste viel Zeit aufwenden um die Aufschriften von Produkten zu studieren, die mir ganz unbekannt waren. Ich konnte Stunden in einem Supermarkt verbringen, auf der Suche nach dem was ich kaufen wollte, und dabei auch alles anschauen, ohne dass mich jemand beobachtete. Am Eingang konnte ich mich überzeugen, dass auch in Brüssel nicht alles perfekt war. Manche Wagen hatten schief laufende und quietschende Räder. Ich stellte fest, ich konnte die Bananen, Mandarinen oder Ananas jeden Tag kaufen. Nicht wie bei uns nur vor Weihnachten, und ohne in einer langen Warteschlange zu stehen. Ich konnte mir das Obst auch selbst in die Tüte geben. Ich musste mich jetzt nicht mehr beim auspacken ärgern, weil mir ein sehr geschickter Verkäufer in Prag auch etwas verfaultes Obst dazu gepackt hatte. An der Fischtheke konnte ich mich satt sehen, wenn ich die riesige Auswahl der angebotenen Fische, Krustentiere und Muscheln sah. Ich kannte von früher her nur Karpfen, Forellen und Fischsticks. Tom löste das Problem in schneller Weise, und kaufte mir ein dickes Kochbuch für Fischgerichte in französischer Sprache. Aber auch dann war für mich das Problem noch nicht gelöst, ich fand nicht die Namen aller Fische, die in dem Kochbuch aufgelistet waren.



Die Belgier essen sehr gerne und oft Fisch oder Meeresfrüchte. Der Tradition nach, an Ostern noch mehr, wie ich mich von der langen Warteschlange an der Fischtheke überzeugen konnte. Ich zögerte nicht lange, und kaufte den ganzen Steinbutt, glücklich, daß ich Tom´s Wunsch erfüllen konnte. Die Verkäufer und die Kunden redeten alle auf einmal, so überhörte ich den von dem Verkäufer gemurmelten Preis. Er bereitete den Fisch küchenfertig zu, klebte den Preiszettel auf das Päckchen, und reichte es mir über die Theke. Erst als ich das Päckchen in der Hand hielt, sah ich den Preis. Ich bekam einen großen Schreck, und dachte ich falle in Ohnmacht. Entweder konnte ich nicht richtig rechnen, oder ich hatte ein Preisschild verwechselt. Nun war es aber schon zu spät! Der kleine Steinbutt kostete 800 BÖ, etwa 40 DM. Zweimal so viel, wie für Seezungen verlangt wurde. Erst überlegte ich, ob ich das Paket nicht irgendwo liegen lassen sollte, und lieber einen anderen Fisch kaufen, aber dann dachte ich, gekauft ist gekauft. Es ist schließlich Osterzeit. Nun konnte ich es nicht mehr ändern. Ich trug den teuersten Fisch nach Hause, den ich je gekauft hatte. Daheim fing ich gleich an zu kochen, weil es schon spät geworden war. Aus dem Kochbuch wußte ich, den Steinbutt sollte man in einem Fischsud garen, nicht braten! Aber ich mußte enttäuscht feststellen, daß ich so einen großen Topf gar nicht in meiner Küche hatte.

mehr davon in meinem Buch "Haben Sie Sex in der Tasche"...............
Jindras Tulpen
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