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Auswanderung! (Buchauszug)

Uns beiden war wohl bewußt, daß vieles vor uns lag, was nicht leicht  zu bewältigen war. Nun, wenn man verliebt ist, denkt man sehr optimistisch, und betrachtet die zukünftigen Hindernisse als überwindbar. Meine Vorstellungen vor der Abfahrt nach Brüssel, waren zu vergleichen mit jemanden, der von ganz großen Zahlen hört, mit sehr vielen Nullen. Wie z. B. von Millionen Lichtjahren, dessen Interpretation mir etwas Ungenaues sagt, denn die Zahl ist doch so hoch, daß ich damit keine greifbaren Vorstellungen verbinden kann. Ich lernte auch die Unterschiede des Verwandtschaftsgrades kennen. Meine Nichten, nach der Ansicht der Behörden, waren mit mir nicht direkt verwandt als ich sie nach Brüssel eingeladen habe. Sie haben erst dann ihre Ausreisepapiere bekommen, wenn wir uns an die höheren Instanzen wendeten. Die Nichten waren aber dann doch wieder direkt verwandt, wenn sie in Prag in einem Büro arbeiten wollten. Sie mußten in allen Fragebögen angeben, daß sie eine Tante haben, die in Brüssel lebt.

Wir wollten eine neue Wohnung suchen. Nun machte ich wieder große Augen, weil Tom weder ein Immobilienbüro aufsuchte, noch Zeitungen kaufte. Er fuhr durch die Strassen, und studierte die Fenster und Fassaden. Er erklärte mir, in Belgien ist es normal eine Wohnung nach den farbigen Aufklebern zu suchen, die außen angebracht waren. So konnte man konzentriert in dem Viertel suchen, in dem man wohnen wollte. Er erklärte mir auch, daß es in Brüssel üblich ist, in dem Viertel zu wohnen, das seiner sozialen Zugehörigkeit in etwa entspricht. Für einen Akademiker wäre es zum Beispiel nicht üblich in einem Arbeiterviertel zu wohnen, und umgekehrt genau so. Man suchte auch sein Quartier nach der Sprachzugehörigkeit aus, ob man in einer „Commune“ die der französischen oder flämischen Sprache zugeteilt war, wohnen wollte. 





So staunte ich wieder, weil die Wohnungen in den nicht so vornehmen Vierteln oft moderner und viel günstiger angeboten wurden, als in den „besseren“ Vierteln. Mir schienen die Brüsseler nicht so fortschrittlich gesinnt zu sein, aber Tom kannte besser die dortige Gesellschaft und sagte, daß schon die Haltung mancher Vertreter des Gesetzes oder vor allem der Banken beeinflußt würden, alleine durch die „gute“ Adresse der Wohnung oder des Hauses. Das würde einiges im Brüsseler Leben erleichtern.

Ich war mit gewissen Marotten der Brüsseler nicht vertraut. So trat ich manchmal in den Hundekot, was Tom zum Beispiel nie passierte. Ich klagte ihm mein Leid, und bekam als Erklärung, daß gerade in diesen Vierteln, nicht weit von einer Straßenbahnhaltestelle, viele ältere Witwen wohnten. Um nicht so vereinsamt zu leben, hielten sie sich einen oder auch mehrere Hunde. Sie ließen ihren Lieblingen großzügigen Freiraum beim Gassigehen, so daß die Hunde ihren Kot einfach dort hinterließen, wo sie es gerade wollten. So auch in der Mitte des Bürgersteigs! Es versteht sich von selbst, daß diese Hinterlassenschaft von den Besitzern nie weggeräumt wurde.

Wir fanden endlich eine nette, größere Wohnung mit drei Zimmern in einem älteren Gebäude im Universitätsviertel. Im Wohnzimmer war ein steinerner Kamin, wie es in Brüssel oft zu finden ist. Ich war aber enttäuscht, weil der Kamin wegen des defekten Abzugs nicht funktionierte. Er war daher nur eine überflüssige Dekoration, die zusätzlich leider viel Platz wegnahm. Die eingebaute Küche war auch nicht gerade modern, aber wir waren zufrieden. Die Adresse „stimmte“, so mußte man manchen Mangel übersehen.

Imehr davon in meinem Buch "Haben Sie Sex in der Tasche"...............
Jindras Blumengruß
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